Erklärung von Jan Matzoll MdL, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag NRW:
Seit bald vier Jahren habe ich das große Privileg, Politik im Landtag NRW gestalten zu dürfen. Als zuständiger Abgeordneter für den Kreis Recklinghausen und für die Stadt Bochum bin ich regional Ansprechpartner für fast 1 Mio. Menschen. Inhaltlich darf ich mein großes Herzensthema, den Fachbereich Wirtschaft, betreuen: als Sprecher der Fraktion für Wirtschaft, Industrie und Innovation sowie als Obmann meiner Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie. Seit meiner Jugend ist es mir ein Anliegen, dass Wohlstand, Wirtschaft und Fortschritt auf der einen Seite, sowie Umwelt- und Klimaschutz bzw. der Erhalt bestmöglicher Lebensperspektiven für die heutige und für zukünftige Generationen auf der anderen Seite nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern gemeinsam gedacht werden. Meine aktuelle Rolle im Landtag ist genau die richtige Stelle, um an dieser großen Generationenaufgabe entscheidend mitzuwirken.
Dennoch habe ich mich nach einem langem Denkprozess entschieden, 2027 nicht erneut für den Landtag zu kandidieren. Das fällt mir alles andere als leicht. Insbesondere in der aktuellen politischen Situation, in der wir jede progressive Demokratin und jeden progressiven Demokraten dringend brauchen, um dem weltweiten Trend zu Faschismus, Diktatur und Wissenschaftsfeindlichkeit einen positiven Plan für ein demokratisches und freiheitliches Morgen entgegenzusetzen. Aber ich verspreche Ihnen und Euch: Ich bleibe politisch, ich bleibe aktiv! Die gesundheitlichen Rückschläge in den letzten Jahren haben mir jedoch gezeigt, dass ich nicht die Energie besitze, mich mit aller Kraft, Konzentration und Leidenschaft in diesen Wahlkampf zu stürzen. Die Depression, die mich über zwei Monate arbeitsunfähig gemacht hat, war hier vielleicht nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Auch schon davor hat mich die enorme Belastung, die die ernsthafte Ausübung eines Mandats im Landtag NRW mit sich bringt, gesundheitlich mehrfach in die Knie gezwungen (manches davon habe ich öffentlich gemacht, anderes nicht) und zu einem Lebensstil geführt, der meinen Körper dauerhaft überlastet hat. Drei geschätzte Kolleg*innen aus dem Landtag sind seit Beginn der Wahlperiode 2022 viel zu jung verstorben: Nadja Büteführ (SPD), Dietmar Panske (CDU) und Marc Lürbke (FDP). Auch diese Schicksalsschläge haben mit dazu beigetragen, dass ich jetzt sage: Ich priorisiere meine Gesundheit!
Ab Montag werde ich wieder nach und nach in den Berufsalltag im Landtag NRW zurückkehren und freue mich tatsächlich auch darauf, die letzten knapp 1 1/2 Jahre im Landtag zu nutzen, meine Themen (Kreislaufwirtschaft, Transformation der Industrie, Startups und und und) trotz schwierigster Rahmenbedingungen weiter voranzutreiben. Aber ich werde dabei meine Grenzen respektieren und häufiger „Nein“ sagen. Und das Wissen darum, 2027 nicht erneut gewählt werden zu wollen, ist sicher an der einen oder anderen Stelle auch ganz befreiend, noch unverblümter offen seine Meinung zu sagen. 😉
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