Das Niedrigwasser am Rhein wird zunehmend zum Problem für unsere Industrie. Und damit auch für den Wirtschaftsstandort NRW.
Das merkt man gerade besonders in der Chemieindustrie. Wenn Schiffe wegen der niedrigen Pegel weniger laden können, fehlen im Zweifel Rohstoffe in den Werken oder fertige Produkte können nicht wie geplant abtransportiert werden. Unternehmen müssen auf andere Verkehrsträger ausweichen, Transporte werden teurer und schwieriger zu planen.
Deshalb finde ich es richtig, dass NRW das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw vorübergehend gelockert hat. In so einer Situation müssen wir pragmatisch sein und den Unternehmen mehr Spielraum geben, um ihre Lieferketten am Laufen zu halten.
Man sollte sich aber nichts vormachen: Das ist eine Notlösung.
Allein bei Thyssenkrupp in Duisburg kommen normalerweise jeden Tag 50.000 bis 60.000 Tonnen Rohstoffe über den Werkshafen. Solche Mengen lassen sich nicht einfach auf Lkw verteilen. Auch für die Chemieindustrie ist die Binnenschifffahrt kaum zu ersetzen.
Die Lockerung hilft also kurzfristig. Unser eigentliches Problem löst sie nicht.
Und genau darüber müssen wir reden. Niedrigwasser ist für die Industrie längst kein theoretisches Klimarisiko mehr. Wenn Rhein und andere Wasserstraßen über Wochen nur eingeschränkt nutzbar sind, entstehen ganz reale Kosten und im schlimmsten Fall drohen Produktionsausfälle.
Wir müssen deshalb unsere Infrastruktur besser auf solche Situationen vorbereiten: Wasserstraßen und Häfen, aber vor allem auch die Schiene. Unternehmen brauchen Alternativen, wenn ein Verkehrsträger zeitweise ausfällt.
Gleichzeitig wäre es ein Fehler, nur darüber zu diskutieren, wie wir mit den Folgen der Klimakrise umgehen. Wir müssen weiterhin alles dafür tun, sie zu begrenzen.
Für mich ist das auch Wirtschaftspolitik: Heute pragmatisch dafür sorgen, dass unsere Industrie produzieren kann. Und gleichzeitig dafür arbeiten, dass unser Industriestandort auch unter veränderten klimatischen Bedingungen in zehn oder zwanzig Jahren noch funktioniert.
